Dioptrien: Was bedeuten sie und welcher Wert ist normal?
Was sagen Dioptrien auf Ihrem Brillenrezept über Ihr Sehen aus? Als Augenarzt bei Bányai Neue Augen erkläre ich Ihnen, was Dioptrien bedeuten. Mein Schwerpunkt sind refraktive Augenlaserbehandlungen an den Standorten Stuttgart und Karlsruhe.
Vorab das Wichtigste: Dioptrien sind kein Prozentwert Ihrer Sehkraft. Sie beschreiben die Korrektur, die Ihr Auge braucht.
Über den Begriff „Dioptrien“ stolpert zwangsläufig, wer sich schon einmal mit seiner Sehstärke befasst hat. Womöglich haben Sie eine diagnostizierte Fehlsichtigkeit. Dioptrien beschreiben die Brechkraft von Linsen. Sie zeigen, wie stark eine Linse Licht brechen kann, um es auf Ihrer Netzhaut zu fokussieren.
Der Dioptrienwert ist in der Diagnostik wichtig. Er bestimmt die Stärke Ihrer Sehhilfe. Ob ein Augenlaser infrage kommt, entscheidet er allein nicht.
Aber was genau sind Dioptrien? Wie berechnet man sie, und welcher Dioptrienwert ist normal? Diesen Fragen gehe ich in diesem Beitrag nach.
Dioptrien – eine Definition
Eine Dioptrie (kurz dpt) ist eine Maßeinheit für die optische Leistung einer Linse oder eines gekrümmten Spiegels. Die Dioptrie wird als Kehrwert der Brennweite in Metern definiert. Der Augenarzt Ferdinand Monoyer gehörte zu denen, die eine Standardlinse mit einem Meter Brennweite als Einheit befürworteten.[1]
D = 1 / f
Dabei steht D für die Brechkraft in Dioptrien (dpt) und f für die Brennweite der Linse in Metern.
Hat beispielsweise eine Linse eine Brennweite von einem Meter, beträgt ihre optische Leistung 1 Dioptrie. Je kürzer die Brennweite einer einfachen Linse ist, desto mehr Dioptrien hat sie, das Vorzeichen nicht mitgezählt. Sie lenkt das Licht dann stärker ab.
Auch die Augenheilkunde und die Augenoptik nutzen diese Maßeinheit. Sie gibt die Brechkraft des menschlichen Auges an, etwa der Linse im Augapfel. Das betrifft die Stärke der Brillengläser einer Lesebrille oder Gleitsichtbrille. Auch bei einem möglichen Verfahren zum Lasern einer Fehlsichtigkeit spielt sie eine Rolle.
Der unverbindliche Online-Eignungstest gibt Ihnen eine erste Orientierung. Er ersetzt keine Untersuchung.
Welcher Dioptrienwert ist normal?
Ein Sphärenwert von 0 dpt bedeutet, dass die Sphäre keine Korrektur braucht. Je weiter ein Wert im Minus oder Plus von null entfernt liegt, desto stärker ist die Korrektur.
Ob Sie Ihr Sehen korrigieren sollten, zeigt die Untersuchung, nicht eine einzelne Zahl. 0 dpt heißt außerdem nicht, dass Sie zu 100 % scharf sehen. Ihre Sehschärfe (Visus) prüft Ihr Arzt getrennt davon. Dabei lesen Sie Buchstaben in der Nähe und in der Ferne.
Auch Ihr Nahsehen lässt sich aus diesem Wert nicht ableiten. Bei der Alterssichtigkeit (Presbyopie) wird die Augenlinse härter und weniger flexibel. Nahe Objekte wirken dann unscharf.
Ein einzelner Korrekturwert beschreibt weder Ihre gemessene Sehschärfe noch alle Sehaufgaben. Auch andere Rezeptwerte und die Nahfokussierung spielen eine Rolle.
Dioptrienwerte feststellen
Dioptrienwerte bestimmen ein Augenarzt oder ein Optiker mit einem Sehtest. Dabei ermitteln sie die Refraktion. Als Messgeräte kommen dafür unter anderem ein Autorefraktometer oder ein Wellenfrontanalysator infrage, alternativ prüfen sie subjektiv. Mit verschiedenen Linsenstärken prüfen sie, wie stark die Linse das Licht brechen muss, damit ein scharfes Bild entsteht.
Die Sehschärfe ermitteln sie mit einem eigenen Test. Sie lesen Buchstaben in unterschiedlicher Größe und Entfernung. Eine dritte Größe ist die Akkommodation. So heißt die Anpassung der Fokussierung an unterschiedliche Entfernungen. Ein sphärischer Fernwert bildet sie nicht ab.
Vor einer refraktiven Operation gehören beide Messungen zur Untersuchung. Sehschärfe und Refraktion verlangen dabei besondere Aufmerksamkeit.
Die ermittelten Dioptrienwerte zeigen, welche Korrektur Ihr Auge braucht. Ob Brillen, Kontaktlinsen oder Augenlasern dafür infrage kommen, klärt die Untersuchung.
Dioptrienwerte und verschriebene Linsen
Wenn Sie einen Augenarzt oder Optiker besuchen, bestimmt dieser mittels Sehtest, wie viele Dioptrien Ihr Auge benötigt. Die Zahlen auf Ihrem Rezept bzw. Brillenpass geben die Korrektur an, die Ihr Auge braucht. Sie sollen helfen, das Licht auf Ihrer Netzhaut zu fokussieren.
Gut zu wissen: Ihr Brillenpass gilt für Brillengläser. Kontaktlinsen sitzen direkt auf dem Auge, deshalb unterscheidet sich ihr Rezept. Je nachdem, ob Sie zu einer Brille oder Kontaktlinsen greifen, kann der verschriebene Wert abweichen.
Das Brillenrezept verstehen: SPH, Zylinder und Achse
Ihr Optiker liest Ihr Brillenrezept und schlägt eine passende Sehhilfe vor. Dennoch fragen sich viele Menschen, was Werte wie SPH, CYL oder AXIS auf dem Rezept bedeuten. Ich erkläre sie Ihnen in aller Kürze.
Der Wert für die Sphäre (SPH) gibt die Linsenstärke an, die Ihre Fehlsichtigkeit ausgleicht. Er wird in Dioptrien (dpt) gemessen. Ein negativer SPH-Wert bedeutet Kurzsichtigkeit (Myopie). Ein positiver SPH-Wert zeigt Weitsichtigkeit (Hyperopie) an.
Der Zylinderwert (CYL) zeigt, wie stark ein Astigmatismus (Hornhautverkrümmung) ausgeprägt ist. Dabei ist die Hornhaut ungleichmäßig gekrümmt, was zu verschwommenem Sehen führen kann. Der CYL-Wert gleicht diese zweite, abweichende Krümmung aus.
Die Achse (AXIS) gibt an, in welche Richtung der Astigmatismus ausgerichtet ist. Ihr Wert liegt in Grad zwischen 1° und 180°. Ein AXIS-Wert steht nur im Rezept, wenn auch ein CYL-Wert angegeben ist. Er legt die Ausrichtung der Zylinderkorrektur fest.
Ein Brillenrezept kann auch die Addition (ADD) enthalten. Sie ist die zusätzliche Linsenstärke für die Nähe, etwa bei Lesebrille oder Gleitsichtbrille. Besonders bei Alterssichtigkeit spielt dieser Wert eine Rolle.
Ein einzelner Wert stellt keine Diagnose. Er sagt auch nichts über Ihre Sehleistung mit der Korrektur aus.
Dioptrien und Sehprobleme
Fehlsichtigkeiten sind die häufigste Art von Sehproblemen. Sie entstehen, wenn die Form des Augapfels das Licht nicht korrekt auf die Netzhaut fokussieren lässt. Dioptrien geben ihre Ausprägung an. Eine unkorrigierte Fehlsichtigkeit kann sich durch Kopfschmerzen, Zusammenkneifen der Augen oder müde, schmerzende Augen bemerken lassen. Kopfschmerzen haben aber viele Ursachen. Lassen Sie sie ärztlich abklären. Zu den Fehlsichtigkeiten zählen:
- Myopie (Kurzsichtigkeit): Ein Minuszeichen vor der Dioptrienzahl kann auf Kurzsichtigkeit hinweisen. Entfernte Objekte erscheinen dann verschwommen. Ursache ist ein zu langes Auge oder eine zu stark gekrümmte Hornhaut. Das Licht wird dann vor der Netzhaut fokussiert. Brillen oder Kontaktlinsen für Myopie haben negative Dioptrienwerte.
- Hyperopie (Weitsichtigkeit): Weitsichtige Menschen sehen entfernte Objekte besser als nahe. Ursache ist ein zu kurzes Auge oder eine zu schwach gekrümmte Hornhaut. Das Licht wird dann hinter der Netzhaut fokussiert. Brillen oder Kontaktlinsen für Hyperopie haben positive Dioptrienwerte (z. B. +3 Dioptrien).
- Astigmatismus (Hornhautverkrümmung): Die Hornhaut ist ungleichmäßig gekrümmt. Das kann in allen Entfernungen zu verschwommener oder verzerrter Sicht führen. Speziell gestaltete Linsen gleichen die unregelmäßige Form der Hornhaut aus.
- Altersweitsichtigkeit (Presbyopie): Sie entsteht durch den natürlichen Alterungsprozess der Augenlinse. Bei dieser Sehschwäche lässt die Fähigkeit zur Akkommodation nach. Scharfes Sehen im Nahbereich wird dadurch zunehmend schwieriger.
Warum eine Augenlaser-Behandlung in Betracht ziehen?
Brillen und Kontaktlinsen gleichen eine Fehlsichtigkeit aus, solange Sie sie tragen. Eine Augenlaser-Behandlung verändert dagegen die Form der Hornhaut, um den Brechungsfehler zu korrigieren. Refraktive Chirurgie dient dazu, Myopie, Hyperopie, Astigmatismus und Presbyopie zu korrigieren und die Abhängigkeit von Sehhilfen zu verringern. Eine Garantie für ein Leben ohne Sehhilfe gibt es nicht.
Diese Fragen helfen Ihnen bei der Überlegung:
- Alltag und Sport: Stören Brille oder Kontaktlinsen Sie beim Schwimmen, Laufen oder bei anderen Sportarten?
- Kosten: Vergleichen Sie die Behandlungskosten mit den laufenden Kosten für Brille und Kontaktlinsen. Ob Sie dabei sparen, hängt vom Einzelfall ab.
- Voraussetzungen: Hornhaut, Tränenfilm und weitere Befunde entscheiden mit, ob eine Behandlung infrage kommt.
Augenlasern bei Fehlsichtigkeiten – bis wie viel Dioptrien geht das?
Bis wie viele Dioptrien ein Augenlaser möglich ist, lässt sich nicht allein an den Dioptrien ablesen. Zuerst steht eine umfassende augenärztliche Untersuchung.
Dazu gehören Messungen der Hornhautdicke sowie eine Beurteilung von Tränenfilm und Augenoberfläche. Gegenanzeigen sind laut American Academy of Ophthalmology unter anderem eine für die geplante Abtragung zu dünne Hornhaut. Auch unkontrollierte trockene Augen zählen dazu.[2]
Bei Bányai Neue Augen umfasst die Voruntersuchung unter anderem Hornhautdicke, Hornhauttopografie und Refraktionsbestimmung. Wir prüfen dabei auch, ob trockene Augen vorliegen.
Als Alternative zum Augenlasern kommt auch ein Linsentausch in Betracht. Er zählt nicht zu den klassischen Augenlaser-Verfahren. Ob er infrage kommt, klärt die Untersuchung.
Methoden zum Augenlasern – abhängig von Dioptrien und Fehlsichtigkeit
Bei Bányai Neue Augen stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Welche für Sie infrage kommt, hängt von Ihrer Fehlsichtigkeit, Ihren Dioptrienwerten und den Befunden der Voruntersuchung ab.
- SMILE® Pro – eine wenig invasive Technologie. Mehr über SMILE® Pro erfahren
- Femto-LASIK – Ein Femtosekundenlaser erzeugt einen dünnen Hornhaut-Flap. Ein Excimerlaser formt danach das darunterliegende Hornhautgewebe.
- PRK/LASEK – Bei diesen Oberflächenverfahren entfernt oder lockert der Arzt die oberste Hornhautschicht. Danach formt ein Excimerlaser die darunterliegende Schicht.
- PRESBYOND® – Diese Methode dient der Behandlung von Alterssichtigkeit. Sie passt die Augen gezielt für Nähe und Ferne an.
Bányai Neue Augen bietet diese Verfahren in den Augenlaserzentren in Stuttgart und Karlsruhe an. Erst nach der Voruntersuchung bestimmen wir die geeignete Behandlungsmethode.
Machen Sie den nächsten Schritt
Sind Sie neugierig, ob ein Augenlaser für Sie infrage kommt? Der unverbindliche Eignungstest ist ein erster Schritt.
Häufig gestellte Fragen (FAQs) über Dioptrien
Dioptrien geben die Brechkraft eines Brillenglases oder Kontaktlinsenglases an. Der Wert zeigt, wie stark eine Fehlsichtigkeit korrigiert werden muss. Er ist kein Prozentwert Ihrer Sehkraft.
Ein Wert von 0 dpt entspricht rechnerisch keiner zu korrigierenden Fehlsichtigkeit. Er sagt nichts über Sehschärfe oder Nahsehen aus. Ob eine Korrektur erforderlich ist, hängt von der individuellen Untersuchung und Sehqualität ab.
4 dpt liegen deutlich weiter von null entfernt als 1 dpt, die Korrektur ist also stärker. Die tatsächliche Sehqualität hängt auch von weiteren Werten und der verwendeten Korrektur ab.
Positive Werte werden typischerweise bei Weitsichtigkeit verwendet, negative Werte bei Kurzsichtigkeit. Der genaue Brillenwert wird individuell bestimmt.
Das lässt sich nicht allein anhand der Dioptrienzahl entscheiden. Hornhaut, Tränenfilm, Alter, Augengesundheit und weitere Messwerte müssen vorher untersucht werden.
Quellen
- de Jong PTVM. The diopter [Die Dioptrie]. Eye (Lond). 2021;35(7):1801-3. doi:10.1038/s41433-021-01419-y. Verfügbar unter: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8225652/ ↩
- American Academy of Ophthalmology. Refractive surgery Preferred Practice Pattern [Leitlinie „Refraktive Chirurgie“] [Internet]. San Francisco: AAO; 2022 [zitiert am 08.10.2026]. Verfügbar unter: https://www.aao.org/Assets/d2a71fff-34e7-4b77-9553-f6ac33860074/638592360994900000/refractive-surgery-ppp-updated-2024-pdf ↩
